World Dream Day : Warum Lydia Sieweke mit 60 ihren Job kündigte, um zu träumen

World Dream Day : Warum Lydia Sieweke
Es gibt Podcast-Gäste, bei denen man vorher weiß, worüber man sprechen wird. Lydia Sieweke ist keiner davon. Sie verbindet die Bodenständigkeit der Insel Pellworm mit dem Blick einer Weltbürgerin – und sie hat mich in dieser Folge des Humanunternehmer-Podcast dazu gebracht, über etwas nachzudenken, das im Unternehmeralltag kaum vorkommt: das Träumen.

 

Eine Weltreise ohne Plan

 

Lydia hat vor zwei Jahren ihren Job bei der Bertelsmann Stiftung gekündigt – nach 22 Jahren im Konzern, freiwillig, ohne Anschlussplan. Statt eine Reise durchzuplanen, kaufte sie sich eine Weltkarte und stellte sich davor “wie eine Künstlerin vor einem Bild”. Zwei Übernachtungen buchte sie vorab. Der Rest der neun Monate blieb offen.

 

“Ich hab mir wohl ‘ne Weltkarte gekauft, die guck ich jetzt hier gerade an und hab mich da so ‘n bisschen davor gestellt wie so ‘ne Künstlerin vor so ‘nem Bild und hab gedacht: Na, wie ist mir?”

 

Aus dieser Offenheit entstanden Situationen, die sich nicht planen lassen – etwa der Unterricht in einer Sonntagsschule auf Sansibar, aus dem eine gemeinsam verfasste Rede an die Vereinten Nationen wurde. Jahre später traf Lydia in New York, ganz ohne es zu wissen, ausgerechnet die Gründerin des World Dream Day – nachts um halb vier, kurz vor deren erster Rede vor der UN-Vollversammlung.

World Dream Day: Warum Lydia Sieweke mit 60 ihren Job kündigte, um zu träumen

Leichtes Gepäck ist mehr als eine Reisemetapher

 

Vor der Abreise hatte Lydia ein ungewöhnliches Ziel: kein zusätzliches Kilo Gepäck tragen zu müssen. Ihre Lösung – sie nahm an Körpergewicht genau so viel ab, wie ihr Rucksack am Ende wog.

 

“Ich habe elf Kilo Gepäck gehabt für meine Weltreise und ich habe vorher elf Kilo an meinem Körper verloren. Und somit bin ich mit einer Nullnummer losgereist.”

 

Was wie eine Anekdote klingt, steht für ein größeres Prinzip, das sie seither weiterträgt: Ballast bewusst und liebevoll ablegen, statt ihn nur loszuwerden. Für Unternehmerinnen und Unternehmer, die ständig neue Verantwortung aufnehmen, aber selten etwas abgeben, ist das eine unbequeme Frage – was trage ich eigentlich noch mit mir herum, weil ich es nie aktiv entschieden habe abzulegen?

 

Führung bedeutet, den Ball fallen zu lassen

 

Der vielleicht schärfste Gedanke der Folge betrifft Führung. Lydia beschreibt, warum es für viele Chefs unvorstellbar ist, echten Freiraum zu geben – und warum genau das nötig wäre, damit andere wachsen können.

 

“Du wirfst einen Ball in die Luft in dem festen Plan, du selbst fängst ihn nicht und gehst beiseite und guckst, wer den fängt. Und dann brauchst du auch die Bereitschaft, den Ball auf die Erde fallen zu lassen.”

 

Die meisten, sagt sie, halten den Ball am Ende doch selbst – aus Angst, dass sonst niemand Verantwortung übernimmt. Damit verhindern sie genau das Wachstum, das sie eigentlich fördern wollten.

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Der World Dream Day: Eine Bewegung ohne Geschäftsmodell

 

Seit zwei Jahren ist Lydia deutsche Botschafterin des World Dream Day, der 2012 in einem New Yorker Stadtteil mit hoher Kriminalitätsrate begann – als eine Frau eine Hauswand mietete, damit Menschen dort ihre Träume aufschreiben konnten. Heute, im vierzehnten Jahr, ist es eine unbezahlte, weltweite Bewegung. Das Motto 2026: Dream the New.

 

Am 25. September ruft Lydia von Pellworm aus zur “Kraft der Träume” auf – dieses Jahr, wie sie andeutet, mit einem eigenen Format am Hafen, das noch nicht ganz fertig geplant ist. Genau das passt zu ihrer Grundhaltung: Nicht alles muss feststehen, bevor man anfängt.

 

Und dann?

 

Was aus der Sonntagsschule auf Sansibar wirklich wurde, wie Lydia zur Pressesprecherin-Idee der United Nations kam und was ihr eigener innerer Kompass mit Entscheidungsfreiheit zu tun hat – davon erzählt sie im weiteren Verlauf des Gesprächs.

 

Das Gespräch ist als Zweiteiler erschienen. Dieser Artikel deckt Teil 1 ab. In Teil 2 wird es konkret: der 25. September als World Dream Day, das Motto “Dream the New” – und eine Aufgabe, die du direkt in dein nächstes Team-Meeting mitnehmen kannst.

 

Die ganze Folge hörst du hier:

 

 

Mehr über den World Dream Day & Lydia:
5/5 - 1

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